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HERZ (1/4) – EINFÜHRUNG, FORM, ABSCHNITTE & LAGE

 

 

Herzlich willkommen zu dieser Videoserie zur Anatomie des Herzens. In dem ersten Video beschäftigen wir uns, nach einer kleinen Einführung zur Funktion des Herzens, erst einmal mit der Lage des Herzens, der Form des Herzens und der Abschnitte des Herzens. Kurz gesagt, wir schauen uns das Herz von außen an.

Das Herz steht im Zentrum des Blutkreislaufs. Es ist ein muskuläres Hohlorgan und sorgt als Druck- und Saugpumpe für den beständigen rezirkulierenden Transport des Blutes innerhalb des Blutkreislaufs.

Die beiden Herzhälften können jeweils in einen Vorhof, lat. Atrium, und in eine Kammer, lat. Ventrikulus, unterteilt werden. In der anterioren Ansicht sehen wir hier den rechten Vorhof und die rechte Kammer und in der posterioren Ansicht sehen wir hier den linken Vorhof und die linke Kammer.

Diese beiden Herzhälften empfangen jetzt das Blut aus dem Blutkreislauf, über die Vorhöfe und pumpen es über die Kammern in den Kreislauf zurück. Da hierbei das Blut in zwei verschiedene hintereinander geschaltete Kreislaufsysteme gepumpt wird, unterscheidet man funktionell das rechte Herz vom linken Herzen. Das rechte Herz stellt sozusagen die Pumpstation für den Transport des Blutes für den Lungenkreislauf dar, oder den sog. kleinen Kreislauf. Das linke Herz ist dementsprechend die Pumpstation für den Körperkreislauf, oder den großen Kreislauf.

Kommen wir zur Lage des Herzens. Das Herz liegt im Mediastinum inferius und zwar in dessen mittleren Abschnitt, dem Mediastinum medius. Etwa ⅔ der Herzmasse liegen links der Medianebene und etwa ⅓ liegt rechts von der Medianebene.

Es ähnelt in seiner Form einem schräg gestellten Kegel, dessen Spitze im umgebenden Herzbeutel frei beweglich ist. Die Herzbasis wird durch die durch die Dorsalseite der Vorhöfe gebildet und ist fixiert, also nicht beweglich. Zum einen durch die Gefäßstiele, die Porta arteriosa und Porta venosa und zu anderen durch die Membrana bronchopericardiaca. Die membrana bronchopericardiaca ist in diesem Modell nicht explizit dargestellt, aber es handelt sich um eine Bindegewebsplatte hinter dem Herzen, die das Herz mit dem Herzbeutel mit der Bifurcation der beiden Hauptbronchen verbindet und mit der oberen Zwerchfellfaszie.

Die Längsachse des Herzens, also die Verbindung zwischen der Herzspitze und der Mitte der Herzbasis steht etwa im Winkel von 40° zu den drei Hauptebenen des Raumes. Durch diese Drehung ist die rechte Herzhälfte mehr der vorderen Brustwand zugewandt und die linke Herzhälfte ist mehr zur linken Seite und nach hinten gerichtet.

Zu Größe und Gewicht: Das Herz ist etwas größer als die geschlossene Faust des entsprechenden Menschen und wiegt im Durchschnitt etwa 300 g. Das durchschnittliche Organvolumen beträgt etwa 785 ml. Gemessen von der Herzspitze zur Herzbasis ist das Herz ca. 12 – 14 cm lang. Die größte Herzbreite beträgt ungefähr 8-9 cm. Herzgewicht und Herzvolumen sind sehr vom Trainingszustand abhängig und können durch Hypertrophie, also eine Vergrößerung des Muskels auf 500 g Gewicht, bzw. 1440 ml Volumen bei Leistungssportlern ansteigen. Das nennt man auch eine physiologische Herzmuskelhypertrophie durch Training. 500 g werden aber auch als kritisches Herzgewicht bezeichnet, da bei noch schwereren Herzen die Kapillardurchblutung allmählich zu gering wird um den Herzmuskel ausreichend zu versorgen. Eine solche pathologische Herzmuskelhypertrophie kann entstehen, wenn der Herzmuskel durch krankhafte Prozesse über einen längeren Zeitraum vermehrt Arbeit leisten muss. Das kann beispw. im Rahmen eines Bluthochdrucks oder einer Herzklappenerkrankung zutreffen. In diesen Fällen kann der pathologisch hypertrophierte Herzmuskel aufgrund der unzureichenden Kapillarisierung nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Die daraus resultierenden Schäden führen im Endstadium zu einer Herzinsuffizienz.

Kommen wir nun zu den Abschnitten: Folgende 5 Abschnitte lassen sich am Herzen unterscheiden. Die Apex cordis, also die Herzspitze, die Basis cordis, also die Herzbasis, die Facies sternocostalis, oder einfach nur Facies anterior, die Facies pulmonalis dextra und die Facies pulmonalis sinistra und zum Schluss noch die Facies diaphragmatica, hier unten, oder auch nur Facies inferior.

Die Herzspitze wird hauptsächlich vom linken Ventrikel gebildet und ist nach vorne unten links gerichtet und relativ frei im Herzbeutel beweglich. Die Herzbasis wird hauptsächlich vom linken Vorhof gebildet und ist nach hinten oben rechts gerichtet und an ihr münden auch die großen Gefäßstämme wodurch sie auch fixiert ist. Die Vena cava superior und die Vena cava inferior münden in den rechten Vorhof. Die Hohlvenen öffnen sich dabei in den Sinus venarum cavarum, der durch eine seichte Furche vom eigentlichen Vorhof abgegrenzt ist und diese Furche heißt Sulcus terminalis. Die vier Lungenvenen, die Venae pulmonales, im Normalfall zwei auf der rechten Seite, zwei auf der linken Seite, münden in den linken Vorhof, der so ein bisschen versteckt ist hinter der Aorta und dem Oesophagus. Jetzt hatte ich ja vorhin die Begriffe Porta venosa und Porta arteriosa einfach so in den Raum geworfen. Jetzt klären wir mal was damit genau gemeint ist. Die Porta venosa des Herzens, oder auch Venenkreuz genannt bezeichnet die senkrecht zueinander stehenden Venen, also die Vena cava superior und inferior, sowie die Venae pulmonales. Und weiter ventral des Venenkreuzes liegt die Porta arteriosa und die besteht aus Aorta und aus dem Truncus pulmonalis. Die Ursprünge des Truncus pulmonalis und der Pars ascendens aortae sind spiralig angeordnet. Der nach links ansteigende Ursprung des Truncus pulmonalis verdeckt teilweise ein bisschen die Pars ascendens aortae. Aus der Pars ascendens aortae, wenn wir näher herranzoomen, erkennt man den sog. Bulbus aortae, bzw. in dem Modell erkennt man ihn leider nicht so gut. Der Bulbus aortae ist eine Anschwellung des Aortenursprungs. Aus dieser Anschwellung gehen beidseits hinter dem Truncus pulmonalis jeweils eine Herzkranzarterie ab. Einmal die Arteria coronaria dextra und die Arteria coronaria sinistra.

Nach der Herzspitze und Herzbasis schauen wir uns noch die vier Oberflächenabschnitte desw Herzens an und fangen an mit der Facies sternocostalis, oder der Facies anterior. Sie bildet die konvexe Vorderfläche des Herzens und wird größtenteils von der rechten Kammer gebildet. Die Vorderwand der rechten Kammer wird rechts flankiert vom rechten Vorhof, der mit dem rechten Herzohr, also der lat. Auricula dextra, die Nische an der Wurzel der Pars ascendens aorte ausfüllt. Links grenzt an die rechte Herzkammer der linke Ventrikel an. Der ist nur als schmaler Streife auf der Vorderseite sichtbar. Dem linken Ventrikel legt sich oben als ein Teil des linken Vorhofes das linke Herzohr, also die Auricula sinistra an, das als einziger Abschnitt des linken Vorhofs auf der Ventralseite des Herzens zu sehen ist. Mit seiner medialen Seite schmiegt sich das linke Herzohr an den Truncus pulmonalis. Beide Herzohren füllen damit die Nischen aus, die von den großen Gefäßen und der Herzbasis gebildet werden aus. Die Grenze zwischen rechter und linker Kammer bildet der Sulcus interventricularis anterior, die Grenze zwischen Vorhöfen und Kammern bildet der Sulcus coronarius. Dieser kennzeichnet auch die sog. Ventilebene des Herzens in der die Herzklappen lokalisiert sind. Die Facies sternocostalis geht seitlich ohne Grenzen in die Facies pulmonalis über. Die Facies pulmonalis sinistra wird vom linken Ventrikel gebildet, der sich einer entsprechenden Einbuchtung der linken Lunge anschmiegt. Die Facies pulmonalis dextra wird hauptsächlich vom rechten Vorhof gebildet und die Facies diaphragmatica ist der abgeplattete Anteil der auf dem Diaphragma aufliegt und größtenteils durch den linken Ventrikel gebildet wird. Die Grenze zwischen linker und rechter Kammer wird hier an der Unterseite gebildet durch den Sulcus interventricularis posterior.

2 Gedanken zu „HERZ (1/4) – EINFÜHRUNG, FORM, ABSCHNITTE & LAGE“

  1. Hallo zusammen,

    vielen Dank für die großartigen Tutorials, danach habe ich lange gesucht und bin dann über ein verlinktes Video auf Doccheck hier gelandet.

    Ich selbst habe mich damals für ein Studium der Informatik entschieden (lang, lang ist’s her). Mittlerweile wünschte ich mir aber immer mehr, dass ich den Schritt zum Medizinstudium gewagt hätte. Da der Zug nun leider abgefahren ist, versuche ich mich privat auf dem Gebiet der Medizin weiterzubilden und mir Dinge beizubringen. Allerdings ist es beim bloßen Lesen von Fachbüchern nicht immer leicht, am Ball zu bleiben.

    Es müsste viel mehr Angebote wie eure geben. Vereinzelt findet man Vorlesungen der Uni Mainz auf YouTube, das war’s dann aber auch schon, zur Vorklinik findet man leider nahezu nichts.

    Gibt es vielleicht einen Geheimtipp aus den Reihen der Medizin-Studenten wie man an Material kommt?

    Und wie heißt denn das tolle Programm, mit der ihr die Anatomie in 3D erklärt?

    Vielen lieben Dank für eure Mühe und weiter so!

    Grüße, Stefan

    1. Hallo Stefan,

      vielen Dank für dein tolles Feedback.

      Wenn man bedenkt, dass die Lebensversicherer der „festen Überzeugung“ sind, dass wir ALLE locker 120 Jahre alt werden, dann kann der Zug für ein Medizinstudium noch nicht abgefahren sein. 😛

      Und der Geheimtipp ist natürlich Medizintutorials. 😉 Aber Spaß beiseite. Medizintutorials ist deswegen entstanden, weil es eben kaum alternative (Online-)Angebote gibt. Also haben wir uns kurzerhand entschlossen es eben selber zu machen. Aber falls jmd. etwas empfehlen kann, ich bin auch über jeden Tipp dankbar.

      Viele Grüße,
      Susanne

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